Grenzland Kärnten - Ein kurzer geschichtlicher Überblick



Das österreichische Bundesland Kärnten liegt im Herzen Europas an der Schnittstelle der drei großen europäischen Völkerfamilien, der Germanen, der Slawen und der Romanen. Diese europaweit einmalige Situation hat das Land auch ganz besonders geprägt. Während das romanische Element in Kärnten nur wenig Spuren hinterlassen hat, führte das mehr als 1000 Jahre währende friedliche Miteinander von Deutschen und Slawen in Kärnten zu einer engen Wirtschafts- und Lebensgemeinschaft. In all den Jahrhunderten gab es keinerlei nationale Konflikte.

Erst ab Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde aus dem Territorium der heutigen Republik Slowenien ein dort aufkeimender slowenischer Nationalismus auch nach Kärnten getragen, ohne dass dieser hier richtig Fuß fassen konnte.

Mit dem Untergang der Österreichisch-ungarischen Monarchie im Jahre 1918 versuchte der neu entstandene Staat der Serben, Kroaten und Slowenen, das nachmalige Jugoslawien, mit Waffengewalt große Teile Kärntens seinem Staatsgebiet anzuschließen.

Doch die Kärntner wehrten sich! Gegen den Willen Wiens setzten ab Dezember 1918 bunt zusammengewürfelte, nur unzureichend bewaffnete Kärntner Freiwilligenverbände, Kärntner Abwehrkämpfer genannt, den in Kärnten eingedrungenen regulären jugoslawischen Truppen militärischen Widerstand entgegen.

Nach anfänglich großartigen Erfolgen der durch Freiwillige aus anderen österreichischen Bundesländern verstärkten Kärntner Abwehrkämpfer, konnte aber der zehnfachen Übermacht der Südslawen auf Dauer nicht Stand gehalten werden, sodass die Errichtung einer jugoslawischen Militär- und Zivilverwaltung in großen Teilen Kärntens nicht mehr zu verhindern war.

Der Kärntner Abwehrkampf, in dessen Verlauf auf Kärntner Seite 268 Gefallene und etwa 800 Verwundete zu beklagen waren, endete zwar mit einer militärischen Niederlage, machte aber die Welt auf das kleine Kärnten aufmerksam.

Die damaligen Großmächte ordneten für den 10. Oktober 1920 im strittigen Gebiet eine Volksabstimmung an, bei der trotz jugoslawischer Zivil- und Militärverwaltung und massiver Druckausübung auf die österreichisch gesinnte Bevölkerung, knapp 60 % für den Verbleib bei Österreich stimmten! Für Jugoslawien stimmten im wesentlichen jene, die bereits bei den Reichsratswahlen im Jahre 1911 die slowenische Partei gewählt hatten. Der slowenischen Minderheit in Kärnten wurden von der jungen Republik Österreich Minderheitenrechte zuerkannt.

1938 kam es auch in Kärnten zur nationalsozialistischen Machtübernahme. Mit Beginn des Kriegszustandes zwischen Nazideutschland und Jugoslawien im Jahre 1941 verschlechterte sich die Situation der slowenischen Minderheit in unserem Land. Die slowenischen Organisationen wurden verboten, deren Vermögen beschlagnahmt. Die bis dahin bestandenen zweisprachigen Schulen wurden geschlossen. Insgesamt 272 slowenische Familien wurden gegen den mutigen Protest zahlreicher Kärntner Persönlichkeiten überfallsartig, entschädigungslos und ohne jede Rücksichtnahme aus Kärnten ausgesiedelt. Etliche Familien, deren Mitglieder Zwangsarbeit zu verrichten hatten, wurden auseinandergerissen. Einige Personen verstarben in den Lagern, einige fielen als Soldaten in der Wehrmacht, zu der sie aus den Lagern eingezogen worden waren. Einige Dutzend Personen wurden in Konzentrationslager überstellt. Nach Kriegsende konnten diese Familien wieder in ihre Heimat zurückkehren und wurden vom österreichischen Staat materiell entschädigt.

Das brutale Vorgehen des NS-Regimes gegen die slowenische Volksgruppe in Kärnten begünstigte ab dem Sommer 1942 den Widerstand der Partisanen, unter denen sich allerdings nur zum kleineren Teil Kärntner Slowenen befanden. Auch wenn der militärische Wert des Partisanenkampfes gegen das NS-Regime eher beschränkt war - selbst am Höhepunkt der Kämpfe waren nur einige Hundert Partisanen aktiv im Einsatz – so konnten damit doch eine Reihe von deutschen bewaffneten Formationen gebunden und gegen Kriegsende zur Schwächung der Siegeszuversicht unter den lokalen Nationalsozialisten beigetragen werden. Leidtragende dieses Kampfes war die Zivilbevölkerung zwischen den Fronten. Diese war einerseits dem „unglaublichen Terror“ von Partisaneneinheiten (Bericht Sicherheitsdirektion für Kärnten, 1952) und andererseits brutalen Repressalien der NS-Justiz ausgesetzt. 

Sieben Jahre hatte die nationalsozialistische Herrschaft in Kärnten gedauert. Nachdem bereits einen Tag vor der am 8. Mai 1945 erfolgten endgültigen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht in Kärnten eine provisorische demokratische Regierung gebildet worden war, drohte mit dem gleichzeitig erfolgten Einmarsch der regulären titokommunistischen Partisanenarmee und der Proklamation der jugoslawischen Militärgewalt unserem Land der Anschluss an Jugoslawien und damit die Fortsetzung der Diktatur, nämlich der kommunistischen.

Die neue demokratische Kärntner Landesregierung erkannte die Gefahr und ersuchte britische Militärs, ihre 8. Armee raschestmöglich  in Kärnten einrücken zu lassen, in der Hoffnung, damit Kärnten ungeteilt beim wieder erstandenen Österreich erhalten zu können. Dank der bereits Tags darauf, am 8. Mai 1945, erfolgten Besetzung Kärntens durch die Briten, konnte die bereits angekündigte Annexion Kärntens durch Jugoslawien verhindert werden. Über Druck der britischen Besatzungsmacht mussten die Tito-Truppen Südkärnten nach vierzehntägiger Schreckensherrschaft räumen.

Jedoch: In den wenigen Tagen zwischen dem 9. und dem 20. Mai 1945 haben Tito-Partisanen nach amtlichen Darstellungen mindestens 263 Kärntner Zivilpersonen, von denen niemand Kriegsverbrechen in Jugoslawien begangen hatte, verhaftet und nach Jugoslawien verschleppt. 91 Verschleppte kehrten nicht wieder nach Kärnten zurück. Sie wurden ermordet und in Massengräber verscharrt. 

Hätten nicht die Briten die jugoslawische Partisanenarmee aufgefordert, Kärnten zu räumen - was am 22. Mai 1945 geschehen ist - so wären die titokommunistischen Verbrechen an der Kärntner Zivilbevölkerung vermutlich in noch größerem Umfang fortgesetzt worden. Hatte doch Bris Kidric, seit Mai 1945 Vorsitzender der slowenischen Volksregierung, gefordert, dass "aus den nördlichen Gebieten die Reste des Deutschtums verschwinden" müssten, was wohl auch das als "Slowenisch-Kärnten" beanspruchte Südkärnten eingeschlossen hätte. Auch die Tatsache, dass allein in den ersten zwei Monaten nach Kriegsende nach Angaben des slowenischen Leiters der Kommission für Exhumierungen, Joze Dezman, mindestens 100.000 Menschen - slowenische Domobranzen, kroatische Ustaschi, serbische Tschetniks, Wehrmachtsangehörige, deutsche Altösterreicher und auch einfache slowenische Bürger weil sie keine Kommunisten waren - auf dem Territorium der heutigen Republik Slowenien ermordet und in Massengräbern verscharrt wurden, lässt eine dramatische Erweiterung der titokommunistischen Übergriffe gegen die Kärntner Zivilbevölkerung als sehr wahrscheinlich annehmen, hätten die Briten nicht eingegriffen.

Nach neuesten Schätzungen beträgt die Gesamtzahl der Opfer der "blutrünstigen kommunistischen Machthaber" (Janez Jansa)  in Slowenien 300.000. 493 Massengräber waren bis Anfang März 2009 erfasst. Von weiteren 160 weiß man. (Alfred Elste, "Kleine Zeitung" 7. März 2009). Die Täter sind bis heute nicht zur Verantwortung gezogen worden, was nach der Aufsehen erregenden Öffnung eines Massengrabes im slowenischen Lasko im März 2009 auch Sloweniens General-Staatsanwältin Barbara Brezigar scharf kritisierte.

Bis 1949 hielt Tito-Jugoslawien seine Gebietsforderungen gegenüber Kärnten aufrecht. In vielen Veranstaltungen auf österreichischem Kärntner Boden wurde der Anschluss "Slowenisch-Kärntens" an Jugoslawien gefordert, obwohl der Anteil der slowenischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung dieses Gebietes auch damals nur etwa 10 Prozent (in ganz Kärnten unter 5 Prozent) betragen hatte. Der Kampf der Partisanen gegen den Nationalsozialismus war somit auf Kärntner Boden nicht für ein freies und demokratisches Österreich, sondern für den Anschluss halb Kärntens an Jugoslawien geführt worden.

Erst auf der Pariser Konferenz im Juni 1949 haben die vier Großmächte gegen die jugoslawischen Gebietsansprüche entschieden und beschlossen, dass die Grenzen Österreichs, wie sie am 1. Jänner 1938 bestanden hatten, zu belassen seien.

Im Staatsvertrag 1955, der unserem Vaterland Freiheit und Souveränität brachte, wurden für die slowenische und die kroatische Minderheit in Österreich großzügige Volksgruppenrechte verankert, die seither mit zahlreichen Ausführungsbestimmungen konkret gesichert sind. 

Quellen:
Katalog Kärntner Landesarchiv zur Ausstellung: „Die Partisanen in Kärnten“, Klagenfurt 2003
Josef Rausch, Militärhistorische Schriftenreihe Heft 39/40 Wien 1979, „Der Partisanenkampf in Kärnten im Zweiten Weltkrieg“.
Alfred Elste, Michael Koschat, Paul Strohmaier "Opfer, Täter, Denunzianten", Hermagoras-Verlag, Klagenfurt 2007.

 

Kärntner Heimatdienst – Aus der Vereinsgeschichte


Am 24. Jänner 1957 fand in Klagenfurt die Gründungsversammlung des heutigen Kärntner Heimatdienstes (KHD) statt. Mit dieser Vereinsbezeichnung sollte ein direkter Bezug zum „historischen“ Kärntner Heimatdienst (K.H.D) hergestellt werden, der – am 10. März 1920 aus der „Landesagitationsleitung“ als öffentlich-rechtliche Körperschaft geschaffen – nach dem opferreichen Abwehrkampf den geistigen Kampf um die Erhaltung der Kärntner Landeseinheit im Verbund mit Österreich führte.

Mit Erfolg, denn allein seiner von Tausenden ehrenamtlichen Aktivisten unterstützten Propagandaarbeit war es zu danken, dass sich bei der Volksabstimmung am 10. Oktober 1920 eine Mehrheit von fast 60% für den Verbleib Südkärntens bei Österreich ausgesprochen hatte.Ehemalige Abwehrkämpfer waren führend im K.H.D. tätig.
Die Kärntner Abwehrkämpfe wurden durch die Volksabstimmung gekrönt. Fritz Schretter, Landesobmann des 1955 gegründeten Kärntner Abwehrkämpferbundes würdigt dies im 2003 erschienen Buch „Die Slowenen in Kärnten“:„Die Arbeit des Kärntner Heimatdienstes war wesentlich für den Sieg Österreichs bei der Volksabstimmung.“Der 1957 neu gegründete Verein „Kärntner Heimatdienst“ war ein Dachverband  mit den Vereinen  Kärntner Schulverein Südmark, Kärntner Abwehrkämpferbund und Kärntner Landsmannschaft.

In der Gründungsversammlung wurde Dr. Walter Lakomy zum Obmann gewählt.In Schreiben an bekannte Kärntner Persönlichkeiten wurde darauf hingewiesen, dass der neue Verband „ähnlich dem seinerzeitigen Kärntner Heimatdienst auf breiter Grundlage die Interessen unserer Heimat vertreten will.“ Die österreichpatriotische Zielsetzung kommt auch in den Satzungen des neuen Dachverbandes zum Ausdruck:„Zweck des Vereines ist die Stärkung der heimattreuen Kräfte, besonders im gemischtsprachigen Gebiet.“Diese Zielsetzung wurde durch eine spätere Satzungsänderung noch präzisiert:„Der Kärntner Heimatdienst ... ist parteipolitisch ungebunden und gemeinnützig.... Zweck des Kärntner Heimatdienstes ist die Stärkung der Liebe und Treue zur Heimat Kärnten und zum Vaterland Österreich … .“Jahrzehnte hindurch fungierte der Kärntner Heimatdienst als „Dachverband heimattreuer Körperschaften“ .

Dennoch war der KHD nicht als „Überbau“ oder als Sprachrohr aller heimattreuen Kräfte in Kärnten einzustufen. Die Mitgliedsvereine, u.a.: Kärntner Abwehrkämpferbund, Kärntner Landsmannschaft, Schulverein Südmark, Freiheitlicher Akademikerverband, Turngau Kärnten, Kärntner Jugendbund sowie einige studentische Organisationen und Kleingruppierungen, blieben völlig selbständig, waren als Organisationen zu keiner Zeit an irgendwelche Beschlüsse der KHD-Führungs- bzw. Vertretungsgremien gebunden, und unterlagen somit auch nie einer wie immer gearteten Einflussnahme des KHD auf deren Vereinsarbeit. Die Bezeichnung „Dachverband“ könnte somit - sieht man von dem satzungsgemäß verankerten Recht der Mitgliedsvereine, stimmberechtigte Delegierte in die KHD-Hauptversammlung zu entsenden ab - am zutreffendsten als eine lose, fallweise gebildete heimattreue Zweckgemeinschaft zur Durchsetzung bestimmter Kärntner Anliegen von gemeinsamen Interesse charakterisiert werden.

Seit den siebziger Jahren unternahm der KHD keinerlei Anstrengungen mehr, Vereine oder andere juristische Personen als Mitglieder zu gewinnen. Die Bildung von losen und flexiblen Zweckbündnissen zur Bewältigung größerer im gemeinsamen Interesse liegender Aufgaben hatte sich als wirkungsvollere Form der Zusammenarbeit erwiesen als ein enger Zusammenschluss zu einem Dachverband. Unter diesen Aspekten konzentrierte sich der KHD in den Folgejahren voll und ganz auf die Werbung von Einzelmitgliedern und Förderern, die er über seine Zeitungen Der Kärntner (adressierte Auflage Anfang 2009: 35.000) und der Mitte der neunziger Jahre zusätzlich geschaffenen Zeitung KHD-Intern (Auflage: 10.000) erfolgreich gestalten konnte. Auf diese Weise konnten schließlich im Laufe der Zeit rund 20.000 Mitglieder und Förderer gewonnen werden. Darunter auch einige Tausend aus den anderen Bundesländern, zumal sich seit etwa 1990 der KHD-Aufgabenbereich sukzessive auf gesamtösterreichische Themen erweitert hatte.

Dennoch zählte die Kärntner Grenzlandarbeit auch nach 1990 zu den Hauptaufgaben des KHD, wobei jedoch damals neben einer oft heftigen Kritik an radikalen Aussagen slowenischer Vereinsfunktionäre und neben den, den slowenischen Vorstellungen konträr zuwiderlaufenden Ansichten im Minderheitenschulbereich, im Bereich der Amtssprache oder auch der Kirchensprache, dem Bekenntnis zu einem friedlichen Miteinander ein immer größerer Stellenwert eingeräumt wurde. Das damit verbundene Dialogangebot blieb bei den Slowenenverbänden jedoch lange Zeit ohne Resonanz. Dessen ungeachtet unternahm die KHD-Jahreshauptversammlung am 20. April 1991 einen weiteren Vorstoß und beschloss – auch mit den Stimmen der Delegierten des Kärntner Abwehrkämpferbundes - einstimmig ein „10-Punkte-Programm“, das im Punkt 10 unter dem Titel „Der Weg zum friedlichen Miteinander: KHD für Dialog mit den Slowenen“ keinen Zweifel an der ehrlichen Gesprächsbereitschaft offen lassen konnte:

„Unterschiedliche Gruppeninteressen und daraus resultierende Interessenskollisionen dürfen kein Hindernis für Gespräche miteinander sein. Bisherige Gesprächsangebote des Kärntner Heimatdienstes an die Slowenenverbände in den vergangenen Jahren wurden von diesen negiert. Die nach dem Zusammenbruch des Kommunismus beseitigten ideologischen Grenzen ermöglichen eine beschleunigte Entwicklung zu einem geeinten Europa. Dies erfordert, im besonderen von benachbarten Völkern und Volksgruppen, näherzurücken und Wege für eine dauerhafte Verständigung bei strikter Wahrung der jeweiligen kulturellen Eigenart zu suchen. Das Ziel sollte ein Europa der Vielfalt unter Beibehaltung der historisch gewachsenen Kulturräume, und nicht ein multikultureller Völkerbrei sein. Auf dieser Basis wiederholt der KHD sein Gesprächsangebot an die Slowenen auch über die Grenzen hinweg. Der Dialog, das Gespräch miteinander, ist zwingend der erste Schritt zueinander. Der zweite Schritt wäre sodann die gemeinsam zu bekundende Bereitschaft, Ressentiments und gegenseitiges Misstrauen abzubauen. Dazu bedarf es allerdings auch der von den Slowenen zu bekundenden Bereitschaft, Gruppeninteressen der Deutschkärntner zu respektieren. Weder Deutschkärntner noch Slowenen sollen für sich Privilegien anstreben oder die eigene Gruppe zu Lasten der anderen zu vergrößern trachten. Aus Interessenskollisionen entstandene unterschiedliche Auffassungen sollen nicht zur Konfrontation führen, sondern im gemeinsamen Gespräch zu bereinigen versucht werden, wobei grundsätzlich beiderseits Kompromissbereitschaft zu signalisieren ist. Das könnte der Weg zu einem dauerhaften friedlichen Miteinander in Kärnten sein.

 Es dauerte aber dann noch bis zum Jahr 1997, bis die beiden Slowenenverbände endgültig ihren Widerstand gegen einen Dialog mit dem KHD aufgaben und ihre Teilnahme an einem nunmehr von Landeshauptmann Christof Zernatto initiierten Runden Tisch zusagten. Unter dem Vorsitz des Landeshauptmannes fanden sich erstmals Vertreter der Kärntner Heimatverbände mit Vertretern der Slowenenverbände und weiteren namhaften Persönlichkeiten des Landes Kärnten zu ausführlichen Gesprächen zusammen.

Das Ergebnis dieser Gespräche wurde in einer „Prinzipienerklärung“ mit folgendem Inhalt zusammengefasst:

„Kärntner Persönlichkeiten mit völlig unterschiedlicher ideologischer Ausrichtung und Aufgabensteilung haben sich im Laufe des Jahres 1997 über sprachliche und ethnische Barrieren hinweg, ohne Vorbedingungen an einen Tisch über belastende Fragen der Kärntner Geschichte des 20. Jahrhunderts zusammengesetzt. Dies wird als Erfolg der Bemühungen um Toleranz und zur gegenseitigen Achtung der Kärntner beider Sprachen gewertet. Ermutigt durch die ersten beiden Gesprächsrunden sehen die Unterzeichneten den "Runden Tisch" als Basis für weitere Gespräche und für vertrauensbildende Maßnahmen an. Ausgangsbasis dafür wird die gemeinsame Betrachtung der Entwicklung des Landes im 20. Jahrhundert sein. Sie lehrt uns, dass tolerantes Aufeinanderzugehen über Generationen und politische Lager hinweg dem Ziel dient, gemeinsam für eine gute Zukunft zu wirken, zu deren Gestaltung alle, die daran mitwirken wollen, eingeladen sind. Es soll ein Heimatbegriff entwickelt werden, der Klischeevorstellungen beseitigt, die Gemeinsamkeit als politische Leitlinie propagiert und ein Kärnten-Bild auf der Grundlage der vielfältigen historischen Entwicklung schafft. Die Zweisprachigkeit in Teilen Kärntens wird als gegeben und förderungswürdig angesehen. Es werden daher Maßnahmen zur Erhaltung und zur Entwicklung der slowenischen Volksgruppe befürwortet. Der "Runde Tisch" tritt für eine nachhaltige Versöhnungsaktion ein, in der beide Volksgruppen der jeweils anderen Seite mehrfach zugefügtes Unrecht einbekennen und bedauern. Dazu ist eine ehrliche Aufarbeitung der Wunden der Vergangenheit notwendig. Der "Runde Tisch" strebt daher eine auf möglichst breiter Basis und unter Einbindung der relevanten Institutionen und Wissenschafter gründende Forschungsinitiative, aufbauend auf schon geleisteten Arbeiten zur Geschichte Kärntens im 20. Jahrhundert an. Nur eine von allen betroffenen Gruppen gelebte Toleranz sowie Offenheit in Politik, Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft können helfen, das Image Kärntens nach außen und das Klima im Inneren zu verbessern“.

Eine Erklärung von historischer Bedeutung, die zur Hoffnung berechtigte, dass es im 21. Jahrhundert möglich sein werde, die für beide Seiten belastende Geschichte des 20. Jahrhunderts gemeinsam aufzuarbeiten und damit eine Basis für ein dauerhaftes und gleichberechtigtes friedliches Miteinander in Kärnten zu schaffen. Aber erst acht Jahre später kam es zum entscheidenden Durchbruch:

Nach Jahrzehnten der Konfrontation zwischen Vertretungsorganisationen der Deutschkärntner und Slowenischkärntner wurde 2005 mit einem zwischen dem Kärntner Heimatdienst, dem Zentralverband slowenischer Organisationen und der Gemeinschaft der Kärntner Slowenen und Sloweninnen im Vorfeld der Politik erzielten Kompromiss in der Ortstafelfrage eine neue Ära des Zusammenlebens eingeleitet. Wichtiger als der Kompromiss in der auch noch zu Beginn des Jahres 2009 noch immer nicht gelösten Ortstafelfrage, ist nämlich die Einigung der deutsch-slowenischen Dialoggruppe, gemeinsam um die Schaffung eines Klimas des gegenseitigen Vertrauens bemüht zu sein. Damit ist ein wichtiger Schritt hin zu einem dauerhaften friedlichen Miteinander getan.


Quellen:
Josef Feldner, Grenzland Kärnten, Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt 1982
Stefan Karner, Andreas Moritsch (Herausgeber) Kärnten und die nationale Frage, Verlage Hermagoras und Heyn beide Klagenfurt 2005, Beitrag Band 1, Josef Feldner „Stärkung der heimattreuen Kräfte; Der Kärntner Heimatdienst nach dem Zweiten Weltkrieg“.
Josef Feldner/Marjan Sturm, Kärnten neu denken - Zwei Kontrahenten im Dialog, Verlage Drava und Heyn 2007