Gedenktafel-Enthüllung

6. Oktober 2021 in Völkermarkt

Gedenkworte von KHD-Obmann Josef Feldner

Sehr geehrte Damen und Herren! Spoštovane dame in gospodje

Wir enthüllen heute eine Gedenktafel, auf der gefallene Kämpfer von beiden Seiten namentlich genannt sind, aber nicht nach nationaler, staatlicher oder militärischer Zugehörigkeit, sondern nach dem Alphabet. Damit schreiben wir ein neues Kapitel der grenzüberschreitenden Gedenkkultur und setzen einen österreichweit bisher einzigartigen Akt der Versöhnung im Streben nach Überwindung von beiderseits seit 100 Jahren bestehenden Aversionen und Misstrauen.

Aber bis dorthin ist es noch ein weiter Weg, zumal in 100 Jahren hüben wie drüben eingebrannte Nationalismen, verbunden mit einer einseitigen Geschichtsauffassung, jegliches Bemühen um Versöhnung im Keim erstickten.

So schön und auch wichtig es ist, bei Workshops, in Seminaren oder sonstigen Veranstaltungen für Verständigung und Versöhnung einzutreten, so wirkungslos ist es, wenn die wichtigen wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht auch in die Tat umgesetzt werden.

Wir in der Kärntner Konsensgruppe haben nicht nur geredet, wir haben gehandelt und Nägel mit Köpfen gemacht:

Angefangen mit dem Ortstafelkompromiss vor sechzehn Jahren, welcher die Basis für eine endliche Ortstafel-Lösung geworden ist, bis zu unseren seit Jahren jeweils im Oktober durchgeführten gemeinsamen Veranstaltungen im Gedenken an die Opfer beider Kampfparteien.

Mit dem großen Erfolg, dass nach anfänglichem Zögern, im Jahr 2016 erstmals auch Spitzenrepräsentanten des „General Maister Verbandes“ – Nachkommen unserer einstigen militärischen Gegner aus Slowenien – teilgenommen haben.

Aber auch damit wollen wir uns nicht zufriedengeben! Wir wollen mit unserer Gedenktafel diesen wichtigen Schritt zur Versöhnung, für alle sichtbar und greifbar, öffentlich dokumentieren als bleibendes Monument eines gelungenen Kapitels im Bereich der Vergangenheitsbewältigung.

Und dennoch: Wir dürfen in unserer Versöhnungsarbeit nicht nachlassen. Zu viele Menschen beider Zungen gilt es noch von der Notwendigkeit zu überzeugen, sprachliche und ethnische Barrieren zu überwinden. Nicht allein um ein friedliches Miteinander zu festigen, sondern auch um gemeinsam den weltweit drohenden ungeheuren Herausforderungen zu begegnen. Darüber hinaus wollen wir aber auch europaweit Vorbildwirkung erzielen und zur Nachahmung anregen.

Meine Damen und Herren!

Auch wenn noch viel, sehr viel zu tun ist, so können wir jetzt schon angesichts eines weitestgehend konfliktfreien Zusammenlebens der Menschen im einst heiß umkämpften Kärntner Grenzland sagen:

Der Abwehrkampf ist zu Ende!

Wir können heute die Kräfte weg vom Gegeneinander verstärkt zum fruchtbringenden Miteinander einsetzen. Das kommt auch der slowenischen Volksgruppe im Streben nach Festigung und Weiterentwicklung ihrer sprachlichen und ethnischen Besonderheit zugute.

Viel zulange ist es auch nach dem Ersten Weltkrieg den Minderheiten in ganz Europa nicht gut gegangen. Aber auch nach Zerschlagung des nationalsozialistischen Terrorregimes, in welchem die Minderheit vom Auslöschen bedroht gewesen ist, waren auch in der Zweiten Republik die Entwicklungsmöglichkeiten unserer slowenischen Mitbürger nicht zufriedenstellend.

Das sage ich durchaus selbstkritisch als jemand, der im zivilgesellschaftlichen Bereich Volksgruppenrechte stets statisch und nicht dynamisch gesehen hat, was etwa in der Ortstafelfrage mit zu einem jahrzehntelangem Stillstand beigetragen hat.

Heute gibt eine Abkehr vom statischen Festhalten am Buchstaben des Art.7 des Staatsvertrages 1955 der slowenischen Volksgruppe darüberhinausgehende neue Möglichkeiten der sprachlichen und kulturellen Weiterentwicklung. Dabei sollten Dialogbereitschaft und auch Augenmaß bekundet werden:

Zur Weiterentwicklung in einem Biotop, in welchem Mehrheit wie Minderheit befreit von gegenseitigen Schuldzuweisungen und frei von Misstrauen und Aversionen ihre Sprache und Kultur pflegen können.

Meine Damen und Herren!

Wenn wir heute auf einer Gedenktafel dokumentiertes gemeinsames Opfergedenken als wichtigen Akt der Versöhnung feiern, dann bedeutet das für den Kärntner Heimatdienst keine Abkehr von seinem Traditionsbewusstsein. Neben Pflege unserer gemeinsamen Kultur und unserer deutschen Muttersprache, werden wir auch in Zukunft den Kärntner Abwehrkämpfern ein ehrendes Angedenken bewahren, so wie wir auch Verständnis zeigen, für das Gedenken in Slowenien an die Kämpfer um die Nordgrenze.

Bei gegenseitigem Respekt, ohne jegliches Anspruchsdenken, frei von Aversionen und Misstrauen, können auch wir die Worte des slowenischen Nationaldichters France Prešeren aus seinem Trinkspruch Zdravljica als gemeinsames Kulturgut übernehmen:

„Es leben alle Völker, die sehnend warten auf den Tag, dass unter dieser Sonne die Welt dem alten Streit entsag! Frei sei dann jedermann, nicht Feind, nur Nachbar mehr fortan!

Bild: fritzpress