Vom Schlachtfeld zur Friedensregion Alpen-Adria

Der Kärntner Heimatdienst in Diskussion mit Vertretern
aus Slowenien, Italien und Kroatien:
▶ wissenschaftliches Symposium in Klagenfurt
▶ und Treffen der Kulturen in Malborgeth

Am 16. September des Jahres fand in Klagenfurt auf Initiative des Kärntner Heimatdienstes ein wissenschaftliches Symposium statt, das sich der Friedensarbeit im Alpen-Adria-Raum widmete. Gemeinsam mit Persönlichkeiten aus dem Zentralverband der Kärntner Slowenen und Persönlichkeiten aus Slowenien, Friaul und Kroatien diskutierte man über „alte Konflikte und neue Kooperationen“, über “alte Gegensätze und neue Geschichtsbilder“.

Moderiert von Marjan Sturm, dem ehemaligen Obmann des Zentralverbandes der Kärntner Slowenen, debattierten der ehemalige Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler mit dem ehemaligen slowenischen Staatsekretär Boris Jesih und Stefano Mazzolini, dem Vizepräsidenten des Regionalrats von Friaul-Julisch Venetien, sowie Manuel Jug, dem neuen Obmann des Zentralverbands der Kärntner Slowenen und Hans Haider, dem Vorsitzenden des Vereins „Erinnern“ über die Entwicklung des Alpen-Adria-Raumes während des letzten Jahrhunderts. Dabei wurden höchst unterschiedliche Positionen erläutert, jedoch das gemeinsame Ziel, nämlich den Frieden um jeden Preis zu erhalten, definiert. Man war sich einig, dass der Frieden auch in unserer Region keineswegs selbstverständlich sei und dass dieser Frieden immer im eigenen Haus beginnen müsse.

Dass die Grußworte des Landeshauptmanns von Kärnten, Peter Kaiser, aber auch die Vorträge der Referenten aus Slowenien in slowenische Sprache vorgetragen wurden, war für eine Veranstaltung des Kärntner Heimatdienstes ebenso bemerkenswert wie die Tatsache dass diese mit organisatorischer Beteiligung von Persönlichkeiten aus dem Zentralverband der Kärntner Slowenen stattfand. Allein dies wurde bereits als starkes Signal der Friedensarbeit des KHD im Verein mit der Kärntner Konsensgruppe gewertet.

Auch die Tatsache, dass der Vorsitzende des Rats der Kärntner Slowenen, Valentin Inzko, die Veranstaltung als Zuhörer besuchte, erregte Aufsehen. Im Rat der Kärntner Slowenen herrscht nämlich bislang große Skepsis gegenüber der Friedens- und Verständigungsarbeit des Kärntner Heimatdienstes

Bei der zweiten Podiumsdiskussion dieses Symposiums, die von KHD-Obmann Andreas Mölzer geleitet wurde, diskutierten der Klagenfurter Historiker Ulfried Burz, sowie sein Fachkollege Hellwig Valentin, der slowenische Historiker Danijel Grafenauer vom Club der Kärntner Slowenen in Maribor und Arthur Rossbacher vom Club „tre populi“ gemeinsam mit dem Ehrenobmann des Heimatdienstes Josef Feldner und dem Vertreter des Kroatischen Weltkongresses, Josip Stjepandic.

Dabei schilderte Ulfried Burz die Entwicklung Kärntens seit der Volksabstimmung von 1920 und die Veränderung der alten Geschichtsbilder, die weitgehend deutschnational geprägt waren, in Richtung auf neue Geschichtsbilder, die in der Volksabstimmung primär einen demokratischen Akt sehen und die slowenische Beteiligung am Votum für Österreich würdigen. Der slowenische Historiker Danijel Grafenauer bezeichnete den Alpen-Adria-Raum als Laboratorium für die Entwicklung einer vormals von schweren Konflikten gekennzeichneten Region hin zu einer Friedensregion. Weiters zeichnete der Klagenfurter Historiker Hellwig Valentin ein Bild der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Alpen-Adria-Raum und bezeichnete diesen als einen wichtigen Kristallisationspunkt für die europäische Integration. Der kroatische Vertreter schilderte die gegenwärtige Lage in Bosnien-Herzegowina, wo sich derzeit das Bild vom Gegenteil einer Friedensregion zeigt. Hier dominieren Konflikte, Gewaltbereitschaft und nationaler Hass. Rossbacher schilderte am Beispiel des Clubs „tre populi“ zivilgesellschaftliche Initiativen, die konkret die Entwicklung zur Friedensregion Alpen-Adria ermöglichten und Josef Feldner plädierte für einen Dialog zwischen den ehemaligen Streitparteien ohne nationale Selbstaufgabe.

Treffen der Kulturen – ein Senza-Confini-Sommerfest

Am 17. September fand trotz des regnerischen und stürmischen Wetters im Kanaltaler Malborgeth das Treffen der Kulturen statt, das der Heimatdienst gemeinsam mit den beiden Kanaltaler Kulturvereinen bereits das zweite Mal organisiert. Zuerst fand dieses Treffen der Kulturen in Arnoldstein im Jahre 2018 statt, 2020 fiel es wegen Corona aus, um nunmehr im wunderschönen Palazzo Veneziano unter Teilnahme zahlreicher Kulturgruppen aus Slowenien, Friaul und Kärnten über die Bühne zu gehen.

Freibier, gesponsert von der Villacher Brauerei, Kärntner Speck, Schinken und Sassaka-Brote, gesponsert von der Wernberger Großfleischerei Fruhmann, friulanische Pasta und friulanischer Wein, sowie slowenische Cremeschnitten bildeten das kulinarische Rahmenprogramm für eine bunte Palette musikalischer Darbietungen aus allen Gegenden des Alpen-Adria-Raumes. Völkerverbindung und Friedensarbeit besteht eben in erster Linie aus der freundschaftlichen Begegnung der Menschen. Und so konnten Besucher aus Slowenien und aus Kärnten gemeinsam mit den Gastgebern aus Friaul so etwas wie ein Senza-Confini-Sommerfest begehen.