Manifest 2020

Kärntner Heimatdienst

Manifest 2020

100 Jahr-Jubiläum der Kärntner Volksabstimmung. Rückschau mit Blick in die Zukunft

Präambel

  • Nach einem leidvollen Jahrhundert und Jahrzehntelangem Volksgruppenstreit,
  • dem mit Slowenenorganisationen im Mai 2005 erzielten Ortstafelkompromiss,
  • der am 10. Oktober 2006 in einer Feierlichen Erklärung der Kärntner Konsensgruppe bekundeten Verpflichtung, hinkünftig an einem Klima des gegenseitigen Vertrauens zu arbeiten,
  • und dem in den Folgejahren erfolgreich auch grenzüberschreitend begangenen Weg der Verständigung und Versöhnung,
  • wurden mit dem gemeinsamen Gedenken der ehemaligen militärischen Gegner an die Opfer auf beiden Seiten zum 100-Jahr-Jubiläum der Kärntner Volksabstimmung wichtige Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden in einer lange Zeit von heftigen Konflikten geschüttelten Region geschaffen.

Die Voraussetzungen für eine nachhaltige Versöhnung zur Friedenssicherung

Zur Versöhnung ehemaliger Gegner ist das Wollen auf beiden Seiten unabdingbar. Nachhaltige Versöhnung zur Friedenssicherung

  • kann aber nur in einem Dialog auf Augenhöhe,
  • ohne Vorbedingungen,
  • mit der Bereitschaft, sich auch in die Position des Anderen hineinzudenken
  • und mit dem Mut auch zur Selbstkritik erreicht werden.

Das erst macht es möglich,

  • die wechselvolle und opferreiche, von Streit, Misstrauen und gegenseitigen Aversionen belastete Geschichte gemeinsam aufzuarbeiten, mit Abkehr von einer ausschließlich subjektiven Geschichtsbetrachtung.
  • Dazu bedarf es der Absage an Schwarz-Weiß-Denken, verbunden mit der Bereitschaft, über Nachdenken und Hineindenken zum Umdenken zu gelangen.

Heimatdienst und Konsensgruppe haben Umdenken aber auch umgesetzt

Diese Grundprinzipien hat der Kärntner Heimatdienst in und außerhalb der Kärntner Konsensgruppe in vielen Bereichen – mit gemeinsamen Informations- und Kulturveranstaltungen und vor allem mit gemeinsamem Opfergedenken – auch umgesetzt, und damit einen wesentlichen Beitrag zur Schaffung eines Klimas des gegenseitigen Vertrauens geleistet.

Traditionsbewusstsein und allseitige Versöhnungsbereitschaft sind kein Widerspruch

Das hat der Kärntner Heimatdienst beim 100-Jahr-Jubiläum der 2006 in einer Feierlichen Erklärung zum „Tag der gemeinsamen Heimat Kärnten“ erklärten Kärntner Volksabstimmung bewiesen,

  • einerseits mit dankbarer Erinnerung an Abwehrkampf und nachfolgendem Bekenntnis von deutsch- und slowenischsprachigen Kärntnerinnen und Kärntnern für ein ungeteiltes Kärnten bei Österreich, verbunden mit der öffentlichen Würdigung der 1918/20 besonders verdienstvollen Persönlichkeiten wie Hans Steinacher, ohne dabei jedoch auf zeitlich differenzierte Kritik zu verzichten,
  • und andererseits mit Verzicht auf Verurteilung jener, die 1920 von ihrem demokratischen Recht Gebrauch gemacht und für Jugoslawien gestimmt haben.
    Damit stellt der Kärntner Heimatdienst klar, dass Verständigungs- und Versöhnungsarbeit mit Respekt vor Kultur und Lebensweise anderer Völker nicht in Widerspruch zu nationalem und kulturellem Selbstbewusstsein stehen.

Es gibt noch viel zu tun.
Denn noch machen viele am Bemühen um nachhaltige Versöhnung und Friedenssicherung nicht mit, oder sprechen sich ausdrücklich dagegen aus

Seit 2005 gehen ehemalige Streitparteien im Jahrzehntelangen Volksgruppenkonflikt, wie der Kärntner Heimatdienst, der Zentralverband slowenischer Organisationen und die Gemeinschaft der Kärntner Slowenen und Sloweninnen in der Kärntner Konsensgruppe gemeinsam den Weg der Verständigung und Versöhnung.
Nicht diesen Weg gehen unversöhnliche Kreise in den Reihen der Kärntner Slowenen, aber auch in vereinzelten Bereichen der Kärntner Heimatverbände.

Das ist in einer Demokratie zu respektieren.
Der Heimatdienst kann aber Eingriffe in vereinsinterne Angelegenheiten nicht widerspruchslos hinnehmen.

Kritik und notfalls auch verbaler Widerstand sind angebracht, wenn

  • in manchen Deutschkärntner Gruppierungen der Weg der Verständigung und Versöhnung des Heimatdienstes als Heimatverrat ohne Bereitschaft zu einem klärenden Gespräch verurteilt wird,
  • Unversöhnliche im Einklang mit nationalen Kreisen in Slowenien dem Heimatdienst das Recht absprechen, Hans Steinacher, ohne den es heute kein ungeteiltes Kärnten bei Österreich gäbe, auf einer Gedenktafel zu würdigen und wenn diese
  • es andererseits verschweigen, dass sich der Kärntner Heimatdienst im Interesse einer gemeinsamen Aufarbeitung der Geschichte einer offenen Auseinandersetzung mit Steinachers auch dunklen Seiten während der NS-Zeit gestellt und auch scharfe Kritiker in einem Sammelband zu Wort kommen ließ. Und schließlich auch, dass
  • Steinacher, der keiner NS-Verbrechen bezichtigt worden war, all die Nachkriegsjahrzehnte hindurch quer durch alle Parteien als Retter der Kärntner Landeseinheit hoch geachtet war, was auch auf einer Reihe von Gedenktafeln verewigt ist.

Die Pflicht zur Nichteinmischung in Bereichen der Traditionspflege muss, ohne Verzicht auf Kritik, für beide Seiten gelten

Wenn der Kärntner Heimatdienst gewissen Kreisen in Kärnten und Slowenien nicht das Recht abspricht, den „Kampf um die Nordgrenze“ – ohne Revisionsabsichten – zu würdigen und diesbezüglich auf jegliche Einmischung verzichtet, dann erwarten wir auch den uneingeschränkten Respekt dieser Kreise vor unserem österreichbewussten Abstimmungsgedenken.
Dennoch wird uns aber unsere Kritik an Fehlverhalten und Versäumnissen der anderen Seite nicht daran hindern, weiterhin offen auch auf alle derzeit noch Abseits stehenden Verständigungsverweigerer zuzugehen und diesen den Dialog ohne Vorbedingungen anzubieten.

Mit KÄRNTEN NEU DENKEN hat die deutsch-slowenische Kärntner Konsensgruppe im Zusammenwirken mit dem Kärntner Heimatdienst den Weg der Verständigung begonnen, mit KÄRNTEN NEU GESTALTEN soll nun die Versöhnungsarbeit fortgesetzt und weiter ausgebaut werden.

Vom KHD-Vorstand am 28. Oktober 2020 einstimmig beschlossen
Obmann Dr. Josef Feldner